von Kerstin Zeller

Erfolg oder Niederlage - das spannende Bild vom Selbstbild

In ihrem Buch „Selbstbild – Wie unser Denken Erfolg oder Niederlage bewirkt“ reißt die Autorin und Wissenschaftlerin Carolin Dweck mit spielerischer Leichtigkeit dem Leser die rosa Brille des persönlich wahrgenommenen Selbstbilds von der Nase. In verblüffenden Studien zeigt die Professorin für Psychologie an der Stanford University auf, wie Menschen mit statischem und dynamischem Selbstbild agieren und welche Auswirkungen das auf Themen wie Management oder Führung hat.

Statisch oder dynamisch?

Schon mit ein paar einfachen harmlosen Fragen macht die Autorin deutlich, wie fest verwurzelt statische Verhaltensweisen bei jedem von uns sind. Allein die Definition des statischen und dynamischen Selbstbilds birgt ein erstes Aha-Erlebnis. Dazu stellt Carolin Dweck zu Beginn vier ganz einfache Aussagen zum Thema Intelligenz, die Sie an dieser Stelle gerne ganz spontan selbst bewerten dürfen (natürlich, ohne vorher einen Blick auf die Auswertung zu werfen):

1. Intelligenz ist eine angeborene Eigenschaft, die sich nicht verändern lässt.

2. Ich bin zwar lernfähig, doch an meiner Intelligenz kann ich nichts ändern.

3. Gleichgültig wie intelligent ich bin, ich kann immer noch ein bisschen intelligenter werden.

4. Ich kann meine Intelligenz erheblich vergrößern, egal wie intelligent ich bin.

Mit welchem Glaubenssatz können Sie sich am meisten identifizieren? Variante eins und zwei geben ein statisches Selbstbild wieder, die anderen beiden sprechen Menschen mit einem dynamischen Selbstbild an. Auch was Ihre Fähigkeiten betrifft, ist diese Modell passend. Ersetzen Sie einfach den Begriff „Intelligenz“ durch andere Begriffe wie Sportlichkeit, musikalisches oder künstlerisches Talent oder Geschäftstüchtigkeit. Gleiches funktioniert mit der Einstellung zur eigenen Persönlichkeit:

1. Ich habe bestimmte Eigenschaften und es gibt nicht viel, was ich daran ändern kann.

2. Egal, welche Eigenschaften ich jetzt habe, ich kann mich grundlegend verändern.

3. Ich kann einige Dinge anders machen, doch meine grundlegenden Eigenschaften bleiben konstant.

4. Ich kann selbst grundlegende Eigenschaften meiner Persönlichkeit verändern.

Ich tippe, spätestens bei Punkt drei haben viele genickt. Auch dieser, zusammen mit Aussage eins, weist auf ein statisches Selbstbild in Bezug auf unsere Persönlichkeit hin.

Ein statisches Selbstbild lässt glauben, dass Talente und Eigenschaften angeboren sind. Sie lassen sich nur schwer oder gar nicht ändern oder erlernen. Ein dynamisches Selbstbild zu haben heißt, dass Übung den Meister macht. Es geht um (Weiter-)Entwicklung. Wir dürfen für unsere Ziele etwas tun!

Lebendige Fehlerkultur

Worin steckt zum Beispiel das Bedürfnis, uns immer wieder beweisen zu müssen oder Angst davor zu haben, beurteilt werden. Wer fest daran glaubt, seine Intelligenz und seine Talente seien in Stein gemeißelt, der wird eher dazu neigen, Fehler lieber zu vertuschen anstatt sich zu fragen, wie er aus ihnen lernen kann. Dynamik analysieren ihre Fehler, fragen sich, was sie warum und wie falsch gemacht haben, wie es anderes und besser geht.

Auch Schwierigere Aufgaben werden von Menschen mit statischem Selbstbild gerne gemieden, denn Scheitern wird nicht als Möglichkeit zur Verbesserung, als Erfahrung erlebt, sondern als be(ver)urteilen der eigenen Person, als Versagen. Hier wird klar, worin der signifikante Unterschied zwischen den beiden Selbstbildern besteht.

Die Botschaft der Autorin ist einfach wie bestechend: Sie sind ein Mensch, der sich entwickeln darf und wachsen kann – in jedem Alter, in jeder Position, in Ihren Eigenschaften und in Ihrem Intellekt.

Der Gedanke, all meine Fähigkeiten und Eigenschaften ändern zu können, mich durch Übung zu verbessern, hat etwas sehr befreiendes. Ich darf aus meinen Fehlern lernen und muss nicht von Beginn an auf für mich unbekanntem Terrain glänzen.

Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann und das viele kleine und große Denkanstöße liefert.

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